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  Codex Copiale - Schrift-Chiffre eines verschlüsseltes Buchdokument des Okulisten-Ordens aus dem 18. Jahrhundert 3ceb7e75bd12332cfbb35b714680e42e





Über den Codex Copiale

Die ‚Copiale Chiffre‘ ist ein 105-Seiten-Manuskript, welches alles in allem rund 75 000 Zeichen enthält. Es ist schön gebunden in grüngoldenem Brokatpapier und wurde auf hochwertigem Papier mit zwei verschiedenen Wasserzeichen geschrieben. Es wird auf ca. 1760-1780 datiert.



Eine Seite aus dem Codex Copiale (Berlin)


Abgesehen von dem, was offensichtlich eine Eigentümernotiz ('Philipp 1866') und einer Notiz am Ende der letzten Seite ('Copiales 3'), ist das Manuskript vollständig codiert. Die Chiffre besteht aus 90 verschiedenen Charakteren, mit scheinbar römischen und griechischen Buchstaben, Diakritika und einigen abstrakten Symbolen. Transkription, Transliteration und Entschlüsselung brachte zu Tage, dass es sich bei dem Dokument um einen Text aus dem 18. Jahrhundert handelt, der von einer Geheimgesellschaft namens Okulisten-Orden verfasst wurde. Ein ähnliches Manuskript ist im niedersächsischen Landesarchiv im Staatsarchiv in Wolfenbüttel in Verwahrung.

Die Methodik, wie diese Chiffre gebrochen wurde, ist in der entsprechenden Veröffentlichung von Kevin Knight, Beáta Megyesi and Christiane Schaefer (2011) beschrieben.

Nomenklatur für die Übersetzung der Schriftzeichen

Der Chiffre liegt die deutsche Sprache zu Grunde. Der (unbekannte) Erfinder der Chiffre hat die Ersetzungstabelle so ausgelegt, dass das häufige Auftreten einiger Buchstaben verschleiert wird.



Klartext Geheimtext Umschrift
Leerzeichen a, b, c, ds, e, ft, gs, h, i, k, l, m, n, o, p, q, r, s, longs, t, u, v, w, x, y, zs
a p., n., h.
ä fem
b sqp
c bas
d pi, z
e ah, eh, ih, oh, uh, grr, zzz
f sqi
g del, x.
h hd
i y.., ns, iot
j car
k gam
l c.
m plus
n mu, ru, nu, g
o tri, o.
ö no
p d
r r., three, j
s bar, grc
t lam
u ni, ki
ü grl
v mal
w m.
x f
y inf
z s.
sch cross
st hk
ch arr
en uu
: :
. .
meister nee
gesellschaft o..
loge tri..
orden bigx
okulist lip
geheimwissen star
macht toe
tisch gat


Einige der Zeichen, welche von den Entschlüsselern als mehrdeutig eingestuft wurden, sind für die Implementierung nochmals plausibilisiert und korrigiert worden.

Über den Okulisten-Orden

(Aus „Europa in der Frühen Neuzeit: Festschrift für Günter Mühlpfordt von Erich Donnert“, isbn:9783412147990, google:R_MuDjZxDWQC)

In Wolfenbüttel gab es zwischen 1742 und 1763 einen den Freimaurer-Logen analogen Geheimbund, die „Hocherleuchtete Oculisten-Gesellschaft“. Sie hatte sich unter anderem das Ziel gesetzt, die Kunst des Starstechens als geheimes Wissen (Arcanum) an Eingeweihte weiterzugeben, um dem weit verbreiteten Missbrauch dieser Augenoperation durch reisende okulistische Scharlatane vorzubeugen.

In praxi hat die Wolfenbütteler Loge kaum Bedeutung erlangt. Jedoch stellten sich ihre Mitglieder ebenso wie die Freimaurer mit der spekulativen Maurerei die Aufgabe der systematischen moralischen Selbsterziehung. In Wolfenbüttel sind die Zeremonialgeräte der „Hocherleuchteten Oculisten Gesellschafft“ bis heute erhalten.

Wegen der augenärztlichen und aufklärerischen Intentionen des Geheimbundes verwundert nicht das von ihm vorrangig benutzte Augen-Symbol, so vor allem auf emaillierten Medaillons, die während der Logen-Sitzungen an einem grün geränderten Halsband getragen wurden.

Auffällt, dass bei der vielfachen Wiedergabe des symbolischen Monoculus in den Dokumenten dieser Gesellschaft das gewohnte männliche Dreieck fehlt. Die bei den Schöpfern der Symbole dieser Loge mutmaßlich unbewusste Grund ist anscheinend: Der Wolfenbütteler Okulisten-Orden nahm weibliche Mitglieder vom Gesellen- bis zum Meisterrang gleichberechtigt auf und unterschied sich so grundsätzlich von den Freimaurer-Männerbünden.

Das monokulare Logen-Bijou der Oculisten-Gesellschaft ist als Symbol das deutlichste Zeichen für den Mentalitätswandel in dieser Loge zugunsten von Frauen – und ein früher Prototyp für in der Kunstgeschichte bekannte Augenportraits, deren Blütezeit A. Schmidt-Burkhardt von 1780 bis 1830 datiert. Im Zeitalter der Empfindsamkeit waren Augen-Portraits als Memorialbildnisse vor allem bei Frauen beliebt, die sie als Liebespfand ihren Freunden schenkten, dabei ist nach symbolgeschichtlichen Kriterien zwischen linken und rechten Augen zu unterscheiden.

Die Medaillons der Okulisten-Loge sind mit linken Augen versehen, während die Memorialbildnisse des Biedermeiers vorzugsweise Portraits einzelner rechter Augen wiedergegeben. Die Symbolik von rechts und links ergibt unterschiedliche Wertungen des Symbols Auge: Für die Okulisten-Loge ist hier links im Sinne von Selbsterziehung interpretierbar.

Freimaurerei und Augenheilkunde

aus dem "GESETZBUCH DER HOCHERLEUCHTETEN OCULISTEN-GESELLSCHAFT"

Enthaltend einige allgemeine Verordnungen, Pflichten und Absichten derselben. Herausgegeben auf Special-Befehl der Grossen Loge von einem treuen und ehrliebenden Bruder und Meister. Mit gestoch. Siegel auf der Titelrückseite. 28 Seiten. 4°. Mod. Lederband. Ohne Ort, Drucker und Jahr (ca. 1745).

Logen, deren Mitglieder sich ausschließlich aus Vertretern bestimmter Berufsgruppen zusammensetzten, waren in deutschen Landen - im Gegensatz zum angelsächsischen Raum - recht ungewöhnlich. Den vorliegenden, überaus seltenen Band aus der Frühzeit der deutschen Maurerei darf man vielleicht als eines der frühesten, wenn nicht das erste Dokument einer Standesvertretung von Augenärzten bezeichnen! Bei den sogenannten 'Oculisten' handelte es sich um einen über Jahrhunderte gering angesehenen, von Chirurgen und Wundärzten streng geschiedenen Stand vagabundierender, von Markt zu Markt ziehender Augen- (meist Staar-) Operateure von sehr unterschiedlicher Erfahrung, die auch bei größtem Pfusch ihre Thaler schon im Säckel hatten und längst verschwunden waren, noch ehe der Patient der erfolglosen Behandlung oder seiner nun völligen Blindheit gewahr wurde.

Durch sein abenteuerliches Leben wurde im 18. Jahrhundert der englische Oculist J. Taylor berühmt, der u. a. J. S. Bach erfolglos behandelt hatte, dem man aber auch zugute halten muß, daß er in zahlreichen Schriften die Kenntnis besonders der operativen Augenheilkunde bereicherte. Andere bedeutende Schriften hervorragender Ärzte wie Heister, Maitre-Jean, Brisseau u. a. trugen im ausgehenden 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jhdts. das Ihre dazu bei, der Augenheilkunde als gleichberechtigter medizinischer Wissenschaft Geltung zu verschaffen.

Im Zuge dieser Fortschritte suchte sich nun auch der Berufsstand der Oculisten zu emanzipieren und die nötige Reputation zu erlangen und in diesem Zusammenhang muß man vielleicht auch die Gründung unserer Loge betrachten. Deren Mitglieder konnten sich zugute halten, alle anderen Oculisten darin zu übertreffen, daß sie '... alle Arten des Staares zu stechen wissen, ... auch den Stich solchergestalt anzubringen, daß der humor crystallinus jederzeit der Nadel gehorchen muß'.

Die neuen Methoden der Staarbehandlung - gerade auf diesem für die Oculisten wichtigen Gebiet wurden große Fortschritte erzielt - waren anscheinend bekannt. Man lernte, die verschiedenen Staararten zu unterscheiden und Daviel entwickelte gerade seine revolutionäre Methode der Kataraktextraktion. Die Logenbrüder konnten aber auch alle Krankheiten des Auges, den Staar ausgenommen, so behandeln, daß 'die Cur weder anderen in die Augen fällt, noch von den Patienten selbst wahrgenommen wird ... Dieses ... wird manchen sonst pedantisch berühmten Augenarzt unverständlich seyn und bleiben ... weil er seine Wissenschaft nicht unter dem Szepter unserer Lehrer erlernet'.

Wer in alle diese Geheimnisse eingeweiht werden wollte (auch Frauen wurden in die Loge aufgenommen!) mußte 'eine leichte Hand haben' und von solchem Stande sein, 'daß man auch ihres Umgangs ausser der Loge sich nicht schämen dürfe'. Aus dem umherziehenden Pfuscher war, so scheint es, ein geachtetes und inzwischen offenbar seßhaftes Mitglied der Gesellschaft geworden.

Nach Münchow (Gesch. der Augenheilkunde S. 303) lassen sich im 18. Jhdt. nur vereinzelt seßhafte Oculisten nachweisen, in der ersten Jahrhunderthälfte überhaupt nur in Paris und erst im letzten Viertel auch in einigen wenigen anderen europäischen Großstädten. Vgl. jedoch A. Hennig, Franz. Okulisten in Deutschland, in: Beitr. z. Gesch. d. Augenheilkunde 33, Jul. Hirschberg-Gesellschaft, Wien 1991, S. 4: weist in Berlin für die 50er Jahre 4 seßhafte Okulisten nach. - Ein Auszug erschien in der 'sehr schätzbaren Sammlung' (Taute) 'Der neuaufgesteckte brennende Leuchter des Freymäurer-Ordens' (Lpz. 1746). - Kloss 3695. Taute, Maurerische Bücherkunde, 1662.


I: Quelle: http://www.golem.de/1110/87314.html
I: Quelle: http://stp.lingfil.uu.se/~bea/copiale/
I: Quelle: http://www.antiquariat-siegle.de/sonderkat/kat3a.html
I: Quelle: http://www.isi.edu/natural-language/people/copiale-11.pdf
I: Release v1.0 20111111: Erste Version, kurz nach der Veröffentlichung der Entschlüsselung
I: Update v1.1 20120520: Bilder nicht mehr einzeln, sondern als Datenblock


Signatur: Marcel Brätz 20120520 1.1


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